|
Quelle:
Medline Abstract The Lancet
Autologe Tumorvakzine bei
Nierenkrebs: Erstmals eröffnet eine innovative Immuntherapie mit
einer autologen Tumorvakzine eine wirksame und dabei nebenwirkungsarme
Behandlungsmöglichkeit.
Ein
aus den Tumorzellen des individuellen Krebspatienten gewonnener
Impfstoff hat in wissenschaftlichen Studien am Patienten gezeigt,
dass er in der Lage ist, die ein Fortschreiten der Krankheit zu
bremsen und die Überlebenszeit der Krebspatienten gleichzeitig
deutlich zu verlängern.
Nierenzellkarzinome stellen die behandelnden Ärzte bis zum heutigen
Tag vor große Probleme, da weder die übliche Tumor-Bestrahlung,
noch eine Chemotherapie die Überlebenszeit verlängert. Nierenkrebs
hat daher von allen bösartigen urologischen Tumoren die schlechteste
Prognose. Die Statistiken zeigen, dass etwa 2-3% aller Krebserkrankungen
die Niere betreffen. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland 16.734
Neuerkrankungen diagnostiziert. Das 5-Jahres-Überleben liegt -bezogen
auf alle Tumorstadien - bei 68,5%. Bei jedem dritten Patienten
können die Ärzte aber bereits bei der Entdeckung des Tumors Metastasen
nachweisen. Damit sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung
des Kranken auf 12 bis 15 Monate. Die Behandlung einer Nierenkrebserkrankung
beschränkt sich heute im Regelfall auf die operative Entfernung
der erkrankten Niere – die Ärzte sprechen von einer totalen Nephrektomie.
Die verbleibende Niere übernimmt dann die Entgiftungsfunktion
der erkrankten Niere. Bei etwa einem von drei Patienten
kommt es nach der Entfernung der erkrankten Niere zu einem weiteren
Fortschreiten der bösartigen Erkrankung.
Adjuvante
Therapien haben bisher völlig versagt
Aus
diesen deprimierenden Fakten ergibt es sich, dass es das oberste
Ziel der behandelnden Ärzte ist, die Zeitspanne bis zum Auftreten
von Nierenkrebs-Metastasen möglichst zu verlängern. Diesem logisch
gut nachvollziehbarem Ziel dienen vom Prinzip her alle Maßnahmen,
die unter den Begriff „adjuvante Krebs-Therapie“ fallen.
Im
Fall des Nierenzell-Karzinoms haben aber in den vergangenen Jahren
in den entsprechenden wissenschaftlichen Studien alle Ansätze
einer adjuvanten Therapie enttäuscht. Weder die Therapie
mit Interferonen, noch mit Interleukin ergab in den an Nierenkrebspatienten
durchgeführten unterschiedlichsten Phase-III-Studien einen
statistischen Vorteil gegenüber den Patienten der Kontrollgruppen
die nur mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt wurden.
Doch damit nicht genug. Viele Tumorpatienten litten im Rahmen
dieser Therapieversuche unter so starken Nebenwirkungen,
dass die Ärzte die Behandlung abbrechen mussten.
Nur
eine autologe Tumorvakzine verlängert derzeit bei Nierenkrebs
die Überlebenszeit
Wie
die Autoren einer kürzlich im angesehenen Fachblatt Urologe
(2007) erschienenen Übersichtsarbeit herausstellten, geht derzeit
der einzige Hoffnungsschimmer für Nierenkrebs-Patienten von der
adjuvanten Verabreichung einer autologen Tumorvakzine (Reniale
® ) aus, die von dem in Hannover residierenden Unternehmen LipoNova
AG entwickelt und für wissenschaftliche Studien zur Verfügung
gestellt wird. Die Anwendung des aus den körpereigenen Tumorzellen
des jeweiligen Patienten gewonnenen Impfstoffs hat in Phase-III-Studien
die Zeitspanne des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens
der Nierenkrebspatienten statistisch eindeutig verbessert.
Die
Herstellung der autologen Tumorvakzine ist aufwändig und an eine
perfekt organisierte Logistik gebunden. Nach der Entfernung
der erkrankten Niere werden etwa 10 Gramm Tumorgewebe entnommen
und per Kurier in das Labor von LipoNova gebracht. Dort wird das
Zellmaterial in zahlreichen Verarbeitungsschritten so aufbereitet,
dass die schon vorhandenen Antigeneigenschaften der Tumorzellen
möglichst drastisch verstärkt werden. Je stärker diese Antigenwirkung
nämlich ist, um so deutlicher reagiert das körpereigene Abwehrsystem
des Tumorpatienten auf die Zufuhr der am Ende der Aufbereitung
durch Kälteschock abgetöteten Tumorzellen in Form des Impfstoffs.
„Kampfzellen“ des körpereigenen Immunsystems gehen auf die Jagd
nach Krebszellen
Die
Idee die hinter diesem Therapieansatz steckt ist logisch und daher
für Experten und Laien gleichermaßen gut nachvollziehbar: die
durch mehrere Injektionen zugeführten Tumorzellen übermitteln
dem Immunsystem sozusagen den „Auftrag“, alle im Körper verborgenen
Krebszellen der gleichen Art anzugreifen und möglichst vollständig
zu vernichten.
Die bisher überwiegend an deutschen Kliniken durchgeführten
Studien zeigten eindeutig, dass dies - zumindest zum Teil
– gelingt.
Die Experten sind sich daher darin einig, dass es derzeit zu dieser
bereits an vielen hundert Patienten erfolgreich erprobten Behandlung
keine praktikable Alternative gibt. Es verwundert daher
nicht, dass die an einem nicht metastasierenden Nierenkrebs erkrankten
Patienten sich nur zu gerne im Rahmen einer Studie der noch viel
zu wenig bekannten adjuvanten Therapie unterziehen.
Doch das Beste an der innovativen Behandlungsmethode mit einer
autologen Tumorvakzine ist es, dass weniger als 1% der behandelten
Krebspatienten über grippeähnliche Nebenwirkungen der Therapie
klagten. Das ist - wie man weiß - völlig untypisch
für die meisten Krebstherapien. Manche Experten äußern seit Jahren
den dringenden Verdacht, dass die Chemotherapie bei einigen Krebserkrankungen
den Patienten mehr zu schaffen macht, als der Tumor selbst.
Verzögerte Zulassung gefährdet das Leben von Nierenkrebs-Patienten
Doch
leider gibt es keine Rose ohne Dornen: die für die Therapie von
Nierenkrebs offenbar (siehe Studien) gut geeignete autologe Tumorvakzine
ist derzeit noch nicht durch die europäische Arzneimittelbehörde
EMEA zugelassen. Lediglich die amerikanische Zulassungsbehörde
FDA hat nach Durchsicht der vorhandenen wissenschaftlichen Daten
grünes Licht für die weitere Entwicklung der Tumorvakzine gegeben.
Eine Zulassung des Medikaments in den USA würde allerdings aller
Wahrscheinlichkeit nach auch die Zulassung in Europa positiv beeinflussen.
Da
die Zulassung noch fehlt, kann die autologe Tumorvakzine bisher
in den europäischen Ländern nur im Rahmen von wissenschaftlichen
Studien, bzw. aufgrund anderer vom Gesetzgeber vorgesehener therapeutischer
Sondermaßnahmen (Compassionate
use. Text Wikipedia) zum Einsatz kommen.
Im 14. Änderungsgesetz zum
Arzneimittelgesetz (AMG) wurde der „Compassionate Use“ auch
in das deutsche Arzneimittelrecht aufgenommen. Hiermit hat der
Gesetzgeber im AMG eine Regelung getroffen, nach der das Inverkehrbringen
im Rahmen des Compassionate Use jetzt rechtlich zulässig
ist.
Doch
so lange die Zulassung nicht erfolgt ist, werden sich die Krankenkassen
aller Wahrscheinlichkeit nach weigern, die Kosten der mit
25.000 EURO im Vergleich zu einigen anderen Krebstherapien eher
preiswerten Behandlungsmethode zu übernehmen.
Der
weltweite Bedarf an der autologen Tumorvakzine ist groß
Doch
die Experten sind sich völlig unabhängig von der Frage der Finanzierung
der Therapie darin einig, dass der objektive Bedarf an der autologen
Tumorvakzine weltweit sehr groß ist. Allein in den USA liegt die
jährliche Erkrankungsrate beim Nierenkrebs bei rund 31.500 Fällen,
von denen jährlich 11.900 Menschen an dem Leiden sterben. Dies
macht deutlich, warum weltweit viele Ärzte mit Ungeduld auf die
Zulassung der autologen Tumorvakzine warten. Sobald die Zulassung
erfolgt ist, gibt es nämlich für die Krankenkassen keinen Grund,
die Therapiekosten nicht zu erstatten.
Die
nicht auf medizinischen Gründen beruhende Verzögerung der offiziellen
Zulassung ist besonders bedauernswert, da die bei Ärzten und Patienten
noch viel zu wenig bekannte innovative Therapiemethode bereits
im Jahr 2004 durch einen in Fachkreisen mit großem Interesse aufgenommenen
Artikel in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ sozusagen
„geadelt“ wurde.
Eine
Arbeitsgruppe um Professor Dieter Jocham von der Universität Lübeck
hatte in einer doppelblind und randomisiert an 55 Institutionen
durchgeführten Studie 177 Patienten mit der autologen Tumorvakzine
behandelt. In der parallel geführten Kontrollgruppe wurden die
Daten von 202 Patienten ausgewertet. Nach fünf Jahren zeigten
sich deutliche Unterschiede die als um so bedeutsamer eingestuft
werden müssen, da es für diese Patienten keine Therapie-Alternative
zur Behandlung mit der autologen Tumorvakzine gibt.
Renommierte
Fachblätter publizierten Therapie-Studien
Betrachtet
man in der in „The Lancet“ veröffentlichten Studie den Studien-Endpunkt
progressionsloses Überleben, so ergab sich für die Patienten die
die Tumorvakzine erhalten hatten (in absoluten Zahlen) ein Vorteil
von 12.7%. In relativen Zahlen ausgedrückt stieg diese schon
beeindruckende Zahl sogar auf 32.6%. Die Ergebnisse
einer Vorläuferstudie waren noch besser ausgefallen.
In
der im Jahr 2003 in der Zeitschrift „Anticancer Research“
veröffentlichten Untersuchung einer Forschergruppe um Professor
Rüdiger Repmann, Urologische Abteilung des St.Georg Krankenhauses
in Leipzig, war der Therapieerfolg in der mit der autologen Tumorvakzine
behandelten Patientengruppe noch überzeugender. Von den Patienten
mit den zum OP-Zeitpunkt größten Tumoren (Stadium T3N0M0) überlebten
77.5% fünf Jahre – in der Kontrollgruppe aber nur 25%. Und
für den Studien-Endpunkt 5-Jahre progressionsloses Überleben standen
in der Therapiegruppe einem Anteil von 68.2% nur 19.4% in der
Kontrollgruppe gegenüber.
Möglicherweise hilft die autologe Tumorvakzine auch bei anderen
Indikationen
Derzeit
wird die Zulassung der autologen Tumorvakzine von der Firma LipoNova
AG aufgrund praktischer Überlegungen und regulatorischen Gründen
ausschließlich für die Indikation „nicht metastasierender Nierenkrebs“
beantragt. Dies ist sinnvoll, da es für die betroffenen
Patienten derzeit keinerlei Therapie-Alternativen gibt und da
es für jeden einzelnen Patienten sozusagen auf jeden Tag ankommt.
Sobald man aber ausschließlich wissenschaftliche Überlegungen
anstellt, drängt sich sofort die Vermutung auf, dass die autologe
Tumorvakzine wahrscheinlich auch bei metastasierendem Nierenkrebs
hilft. Doch für eine solche Indikationserweiterung wären
zusätzliche Studien erforderlich, die sich über Jahre hinziehen
würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird diese Frage in
Zukunft im Zuge weiterer Phase-III-Studien untersucht.
Es
ist außerdem durchaus denkbar, dass nach dem gleichen Prinzip
hergestellte autologe Tumorvakzine auch bei anderen Krebsarten
eine Wirkung entfaltet und daher auch dort zum Einsatz kommen
wird. Vor allem dann, wenn die Tumorzellen von Natur aus
starke Antigen-Eigenschaften mitbringen – also die Produktion
von Immunzellen anregen, die als eine Art „Polizei des Körpers“
die in der Blutbahn und den Körpergeweben vorhandenen Krebszellen
vernichten können.
Dieses
innovative Therapieprinzip ist in der Vergangenheit bereits im
Fall des schwarzen Hautkrebses - die Ärzte sprechen von
Melanomen - erforscht worden. Aus der wichtigsten entsprechenden
Studie ergaben sich erste Hinweise darauf, dass sich ein Therapieversuch
mit einer autologen Tumorvakzine auch bei metastasierenden Melanomen
lohnen kann.
Die Firma LipoNova AG hat wurde mittlerweile nach der
Durchführung eines Insolvenz-Verfahrens aufgelöst. Die wissenschaftlichen Grundlagen des
vielversprechenden Verfahrens der Anwendung einer autologen Tumorvakzine
sind aber weiter gültig.


Die vollständige
englischsprachige Kurzversionen der erwähnten Studien (sog. MEDLINE
Abstracts) finden Sie
hier (The
Lancet)
und
hier (Cancer
Research)
und
hier (Urologe)
|